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Digestif (Verdauungsschnaps): Welcher passt und hilft er wirklich?

Digestif

Digestif ist das Pendant zum Aperitif und wird somit nicht vor dem Essen getrunken, sondern erst danach. Er soll verdauungsfördernd wirken und wird deshalb auch “Verdauungsschnaps” genannt. Wie ihr euren Abend mit dem richtigen Digestif perfekt abrundet, welche Spirituose zu welchem Essen passt, wie man sie richtig serviert und ob der Digestif wirklich bei der Verdauung hilft, das erfahrt ihr hier im Artikel.

Welche Spirituose eignet sich als Digestif und wozu wird er serviert?

Ein perfektes Essen, interessante Gespräche und eine hervorragende Stimmung, das sind die Bestandteile eines schönen Abends. Abgerundet wird das Ganze mit dem dazu passenden Digestif.

Welcher Digestif gereicht wird, hängt dabei vor allem vom Essen ab. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel, denn am Ende kann man das reichen, was dem Gast am besten schmeckt. Nicht jeder ist ein Fan von hochprozentigen Spirituosen, weshalb sich auch ein leichter Likör oder ein Cocktail als Absacker gut eignen kann. Welcher Digestif sich zu welchem Essen eignet und womit ihr euren Abend perfekt abrundet, stellen wir euch im folgenden vor. Dabei findet ihr sicher auch etwas Neues, wovon ihr noch nie gehört habt.

Digestif im Überblick:

Digestif Übersicht Infografik

Grappa, der Tresterbrand zu mediterranem Essen

Einer der klassischen Tresterbrände ist der italienische Grappa. Er wird aus den Pressrückständen aus der Weinherstellung destilliert, das bedeutet, es werden die Schale sowie die Kerne zur Herstellung verwendet. Der Grappa hat mindestens einen Alkoholgehalt von 37,5 %, kann allerdings auch, je nach Sorte, einen weitaus höheren Anteil aufweisen. Aufgrund des relativ hohen Alkoholgehaltes zählt der meist klare Grappa eher zu den hochprozentigen Spirituosen.

Grundsätzlich ist der Geschmack je nach Herstellung von relativ süß bis herb recht weit gefächert. Er passt perfekt zum mediterranen Essen wie Pasta und Antipasti, da er tendenziell nicht zu süß schmeckt und sich somit mit dem typischerweise beim Essen getrunkenen Wein nicht in die Quere kommt. Er wird leicht gekühlt bei ungefähr 10 Grad im Stielglas getrunken.

Der Cognac Branntwein als perfekter Begleiter der französischen Küche

Ihr habt einen wundervollen Abend mit französischer Küche verbracht? Dann könnte der Cognac genau das Richtige für euch sein. Er unterscheidet sich zum klassischen Schnaps in der Art des Genusses. Er wird typischerweise in Cognac Gläsern, auch Schwenkern genannt, serviert und wird nicht schnell geleert, sondern genussvoll getrunken. Optimal also, um in entspannter Stimmung den Abend bei Gesprächen ausklingen zu lassen.

Cognac Digestif

Der Original Cognac darf sich übrigens nur so nennen, wenn er aus der gleichnamigen französischen Stadt Cognac stammt. Um die Aromen optimal freizusetzen, wird er üblicherweise bei Zimmertemperatur oder leicht durch die Hand erwärmt getrunken. Als Alternative zum Cognac gibt es übrigens noch den Armagnac. Sie sind vom Geschmack her sehr ähnlich, unterscheiden sich allerdings leicht in der Herstellung.

Aquavit, der Klassiker aus Skandinavien zum Fisch

Der Kümmelschnaps Aquavit ist vor allem in skandinavischen Ländern wie Norwegen oder Schweden bekannt und beliebt. Er wird dort traditionell zu Surströmming, dem “Stinkefisch” getrunken. Er eignet sich allerdings auch generell gut für Fischgerichte. Aquavit hat einen Mindestalkoholgehalt von 37,5 % und hat einen leicht bitteren Geschmack.

Der Hauptbestandteil von Aquavit ist Kümmel und Dill, wobei die Spirituose je nach Marke ähnlich wie beim Gin mit unterschiedlichen Gewürzen und Zusätzen verfeinert wird. Aquavit wird in Norwegen und Schweden meist in Zimmertemperatur getrunken. Bei uns wird er allerdings eher eisgekühlt serviert. Wer Gäste hat, die Spirituosen nicht gewohnt sind, sollte auch dabei bleiben, da das Eis für einen etwas milderen Geschmack sorgt. Typischerweise trinkt man Aquavit übrigens aus Stielgläsern.

Aquavit Digestif

Kräuterschnaps bei deftigem deutschen Essen

Kräuterschnäpse beziehungsweise Kräuterliköre werden auch Magenbitter genannt und zeichnen sich durch die enthaltenen Kräuter beziehungsweise Bitterstoffe aus. Sie sollen dafür sorgen, dass die Magenschleimhaut angeregt und somit das Verdauungssystem nach dem Essen unterstützt wird. Üblicherweise werden sie eisgekühlt aus einem gefrorenen Schnapsglas getrunken.

Gerade zu einem deftigen deutschen Essen, welches oft viel Fett enthält, passt der Kräuterschnaps perfekt. Er schmeckt bitter-süßlich und aufgrund seiner geringen Temperatur ist er leicht zu trinken. Dazu bietet der Magenbitter einen perfekten Kontrast zum leckeren deutschen Bier, welches während dem Essen getrunken wird. Wer also ein üppiges Essen mit Braten und Klößen plant, sollte den Kräuterschnaps zum Abrunden nicht vergessen.

Kräuterschnaps Digestif

Obstler, die Alternative zum deftigen Essen

Der Obstler ist ein weiterer typisch-deutscher Digestif und wird auch häufig nach deftigem Essen serviert. Der Obstbrand kann aus vielen verschiedenen Obstsorten hergestellt werden, wobei Apfel oder Birnen zu den Klassikern zählen. Die Früchte geben ihm einen schönen fruchtig-süßen Geschmack und auch in der Nase dominieren die Früchte. Wirklich hochwertiger Obstler schmeckt nicht stark alkoholisch und kann deswegen auch “Laien” serviert werden. Er wird typischerweise im Stielglas oder seltener aus Schnapsgläsern getrunken. Wichtig ist, dass der Obstler nicht eisgekühlt, sondern in Zimmertemperatur konsumiert wird, damit die fruchtigen Aromen perfekt zur Geltung kommen.

Wodka geht zu fast allem

Wer einmal guten Wodka probiert hat, wird verstehen, was man an der Spirituose findet. Wirklich hochwertiger Wodka schmeckt neutral und nicht scharf. Er wird üblicherweise aus Getreide wie Roggen oder aber Kartoffeln hergestellt. Wodka ist vor allem in Russland und Polen beliebt, wo er mit sauren Gurken oder Kaviar serviert wird. Bei uns wird er vor allem Cocktails beigemischt.

Wenn ihr guten Wodka sucht, müsst ihr nicht unbedingt zu den teuren Markenprodukten greifen, denn auch günstiger Wodka kann qualitativ hochwertig produziert werden und entsprechend weniger alkoholisch schmecken. Das Digestif wird meist tiefgefroren, in gefrorenen Gläsern serviert.

Wodka Digestif

Hilft der Digestif wirklich bei der Verdauung?

Jeder kennt das Völlegefühl nach einem richtig guten Essen, wenn der Magen einem signalisieren möchte: “Jetzt hast du mehr als genug”. Man fühlt sich voll und träge. Der Verdauungsschnaps soll hier Abhilfe schaffen, den vollen Magen aufräumen und den Verdauungstrakt ankurbeln. Aber ist das wirklich so?

Eine Schweizer Studie aus 2010 hat leider bewiesen, dass der Digestif vermutlich genau das Gegenteil bewirkt. In der Studie wurde die Auswirkung von Alkohol und anderen Flüssigkeiten nach dem Essen überprüft. Hierbei hat man auch den allseits bekannten Verdauungsschnaps getestet.

Das Ergebnis: Statt den Verdauungstrakt anzukurbeln, sorgt der Alkohol eher für das Gegenteil. Durch den Alkohol wird die Weitergabe von Reizen durch die Nervenzellen gebremst, weshalb der Magen dem Gehirn schlechter signalisieren kann, dass er verdauen sollte. Dadurch wird die Muskulatur des Verdauungssystems gehemmt und somit das Essen langsamer verdaut. Er hilft also nicht bei der Verdauung, sondern stört sie sogar.

Wer seinem Verdauungssystem nach einer üppigen Mahlzeit also etwas Gutes tun möchte, sollte eher zu Wasser oder Tee greifen.

Aber sind wir mal ehrlich: Auch wenn die Wirkung des Verdauungsschnaps nicht bewiesen ist, so rundet ein gut gewählter Digestif einen schönen Abend perfekt ab.

In diesem Sinne wünscht euch das Team von Gentleman’s Attitude ein leckeres Essen und einen schönen Abend!

Über den Autor
Tim Schneller
Tim Schneller

Gründer von Gentlemans-Attitude.de, dem 2019 gegründeten Männermagazin rund um Genuss, Mode, Technik und Lifestyle. Als Whisky-Enthusiast und Mitglied der Scotch Malt Whisky Society schreibt er vor allem rund um das Thema Whisky. Aber auch andere Themen wie Mode, Technik und Lifestyle sind seine Leidenschaft.

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