Startseite » Genuss » Ein Traum von dunklen Früchten: Kavalan Solist Port Cask Whisky im Test

Ein Traum von dunklen Früchten: Kavalan Solist Port Cask Whisky im Test

Kavalan Solist Port Cask

Wer an Whisky denkt, dem kommen die schottischen Highlands in den Sinn. Dass mittlerweile viele ausgezeichnete Abfüllungen auch aus anderen Ländern kommen, das wissen vor allem die Kenner. Wer hier einmal über den Tellerrand hinausschaut, wird schnell auf die Kavalan Destillerie aus Taiwan stoßen.

Obwohl der erste New Make erst 2006 gebrannt wurde und somit die Destillerie im Verhältnis noch sehr jung ist, hat sie mit ihren exzellenten Abfüllungen weltweit schon unzählige Preise abgeräumt. Einer der wohl bekanntesten Vertreter dieser Brennerei ist der Kavalan Solist Vinho Barrique, der nicht nur 2017 zum „Asian Whisky of the Year” von Jim Murray, der Whisky Koryphäe schlechthin, gekürt wurde, sondern darüber hinaus auch 2015 bei den World Whiskies Awards als „World’s best Single Malt Whisky” überzeugen konnte.

Kavalan Solist Port Cask

Aber was unterscheidet eine taiwanesische Destillerie von einer schottischen und wieso ist Kavalan so einzigartig? Dies hat mehrere Gründe: Hier spielen vor allem der Standort und die klimatischen Bedingungen eine entscheidende Rolle. Während die Temperatur beziehungsweise Luftfeuchtigkeit in Schottland im Verhältnis relativ konstant ist, so ist der Whisky in Taiwan während seiner Reifung deutlich anderen Bedingungen ausgesetzt. Hier liegen die stark schwankenden Temperaturen um 15 Grad über dem schottischen Jahresdurchschnitt.

Dies führt zu einem komplett anderen Reifungsprozess. Wenn bei schottischen Destillerien mit einem Angels’ Share von ungefähr 1 bis 3 Prozent zu rechnen ist, so fällt dieser bei der Kavalan Destillerie im Durchschnitt 4- bis 5-mal höher aus. Diese extremen Bedingungen sorgen dafür, dass der Whisky deutlich schneller reift, weshalb Kavalan ihre Whiskys im Vergleich zu den schottischen Vertreten eher jünger abfüllt.

Der Vinho Barrique oder der von uns heute verkostete Kavalan Solist Port Cask sind beispielsweise ungefähr 6 bis 7 Jahre alt. Doch trotz seines relativ jungen Alters erreicht Kavalan aufgrund der besonderen Einflüsse einen reifen Whisky, der an Tiefe und Komplexität besticht und mit deutlich älteren Abfüllungen mithalten kann.

Neben diesen einzigartigen Bedingungen ist Kavalan vor allem durch ihre exzellente Fassauswahl bekannt. Besonders die Solist Reihe spiegelt diese Eigenschaft der Destillerie wieder. Dabei reichen die Fässer von beispielsweise Wein-, Port-, Bourbon- und klassischen Sherry-Fässern bis hin zu exotischen Fassarten. Ein Umstand, der mir hier besonders gut gefällt, ist, dass dort lediglich Einzelfässer in natürlicher Farbe, ungefiltert und in Fassstärke abgefüllt werden. Wer sich jetzt also einmal die Farbe des Whiskys auf den Bildern anschaut, weiß was ihn erwartet. Darüber hinaus bietet Kavalan eine einzigartige Transparenz, denn jede Flasche ist einzeln nummeriert und enthält einen Code, anhand dessen man genau nachvollziehen kann, wie alt der Whisky ist. In unserem Fall wurde der Whisky am 01.09.2010 gebrannt und ist am 13.06.2017 mit 57,1 Prozent Alkohol in die Flasche gekommen.

Kavalan Solist Port Cask Test

Der von uns heute verkostete Kavalan stammt, wie sein Name schon verrät, aus einem Portweinfass. Aufgrund der dunklen natürlichen Farbe erhoffe ich mir intensive Portwein-Eindrücke von dunklen Früchten und einer kräftige Süße.

Tasting des Kavalan Solist Port Cask

Farbe

Der Kavalan Solist Port Cask ist sehr dunkel und geht in Richtung mahagonifarben

Aroma

Wow, man merkt dem Kavalan Solist Port Cask seine 57,1 Prozent Alkohol deutlich an. Allerdings nicht im negativen Sinne, denn der Whisky startet schön kräftig und intensiv in der Nase – so wie man es sich von einem natürlichen Whisky in Fassstärke wünscht. Ich rieche klassische Portwein-Aromen wie Rosinen, Pflaumen, feines Karamell und einen Hauch Vanille. Der Whisky ist sehr süß in der Nase mit braunem Zucker und einer starken Würze, die an Zimt und Pfeffer erinnert. Alles in allem wunderbare und intensive Aromen, die stark vom Portwein geprägt sind.

Geschmack

Wenn man den Whisky im Glas schwenkt, so zieht er lange dickflüssige Schlieren, die schön am Glasinneren kleben bleiben. Trifft der Kavalan Solist Port Cask dann das erste Mal auf die Zunge, so merkt man auch hier deutlich seinen hohen Alkoholgehalt, denn auch dort startet der Whisky wieder intensiv und ist dabei sehr süß. Darüber hinaus wirkt er in Verbindung mit Speichel schön ölig im Mundraum. Man findet einige Aromen, wie den braunen Zucker, dunkle Früchte und kräftigen Pfeffer wieder. Gepaart wird das Ganze mit einer bitteren Note, die von einer spritzigen Grapefruit über dunkle Schokolade reicht. Man merkt, wie der Whisky auf der Zunge prickelt. Mit ein paar Tropfen Wasser wird er zugänglicher und ein wenig leichter, ohne an Aromen einzubüßen. Wer Fassstärke Whiskys gewohnt ist, kann diesen Kavalan auch problemlos ohne Wasser genießen. Für Anfänger könnte die Aromenfracht allerdings etwas überwältigend sein.

Abgang

Der Abgang ist etwas, was mir bei diesem Kavalan besonders gut gefällt. Schluckt man ihn einmal herunter, so bleibt eine kräftige Bitterkeit, die an dunkle Schokolade mit einem hohen Kakaoanteil erinnert. Der Geschmack verweilt lange auf der Zunge, klingt langsam ab und endet in einer schönen Paranuss-Note mit etwas Tabak.

Fazit

Kennt ihr das, wenn ihr wisst, aus welchem Fass ein Whisky stammt, ihr die Farbe seht und euch denkt „Ich kann mir genau vorstellen, wie dieser Whisky schmeckt”? Manchmal wird man vom äußeren Eindruck herbe enttäuscht, doch dieser Kavalan trifft genau meine Vorstellungen, die ich hatte, als ich die Flasche zum ersten Mal gesehen habe: Intensiv, dunkel, süß und eine Menge Port-Aromen. Es ist unglaublich, was die Destillerie aus solch jungen Whiskys herausholt. Der Kavalan Solist Port Cask gehört zur Gruppe Whisky, die ich auch blind empfehlen würde, wenn ihr Whiskys aus dem Portfass mögt. Solltet ihr allerdings noch wenig Erfahrungen mit dieser Fassart haben, dann empfehle ich euch definitiv ein Sample.

Der Preis von etwas über 100 Euro ist natürlich recht hoch, doch wenn man bedenkt, dass man einen Whisky aus einem Einzelfass, in Fassstärke, natürlicher Farbe und mit solchen Aromen bekommt, dann ist er meiner Meinung nach sein Geld wert. Darüber hinaus ist der Kavalan ein Whisky, von dem man nur ein Glas am Abend braucht und mit dem man lange Zeit Spaß hat. Definitiv eine Empfehlung.

Achtung: Wir haben diesen Whisky zum Testen zur Verfügung gestellt bekommen. Dies hat keinen Einfluss auf unseren Test, was wir auch den Herstellern vorher immer deutlich kommunizieren. Wir bleiben bei unseren Testberichten 100 % unabhängig.

Darüber hinaus handelt es sich hier lediglich um die Meinung einer einzelnen Person. Whisky ist Geschmackssache und im Zweifelsfall sollte man einfach zum Sample greifen.

Über den Autor
Tim Schneller
Tim Schneller

Gründer von Gentlemans-Attitude.de, dem 2019 gegründeten Männermagazin rund um Genuss, Mode, Technik und Lifestyle. Als Whisky-Enthusiast und Mitglied der Scotch Malt Whisky Society schreibt er vor allem rund um das Thema Whisky. Aber auch andere Themen wie Mode, Technik und Lifestyle sind seine Leidenschaft.

Anregungen oder Fragen?

Schreiben Sie uns:
kontakt@gentlemans-attitude.de

(Wir nutzen Ihre Email-Adresse nur für den Austausch und geben sie nicht weiter)

Nervige Banner oder Pop-Ups?

Nicht bei uns. Wir versuchen für Sie darauf zu verzichten.