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Whisky richtig trinken: Anleitung vom Experten für Anfänger

Whisky trinken - so geht es

Whisky ist eine ganz eigene Welt, deren Erforschung Spaß macht. Anfänger machen allerdings oft einige “Fehler” beim Trinken. Fehler liegen allerdings im Auge des Betrachters, denn am Ende kann man seinen Whisky so genießen, wie es einem am besten schmeckt. Grundlegend gibt es allerdings einige Tricks, die helfen, die feinen Nuancen eines Whiskys besser zu entdecken. Das optimale Setup zum Verkosten und Entdecken der Nuancen und somit “das richtige Trinken” lernen Sie im folgenden Artikel.

Das richtige Glas

Jeder kennt ihn aus Film und Fernsehen: Den Tumbler. Egal ob in der Anwaltsserie “Suits” oder in bekannten Filmen wie James Bond, der Whisky wird aus dem Tumbler getrunken. Der Tumbler ist allerdings genau das falsche Glas, um einen Whisky in seinen Aromen zu erforschen. Das Glas ist zu breit, um die Aromen beim sogenannten “nosing” (Verriechen) optimal in Richtung Nase zu leiten. Aufgrund der Breite verflüchtigt sich ein großer Teil des Aromas, da dieses an der Nase vorbeigeht.

Whiskygläser im Vergleich
Die klassischen Whiskygläser im Vergleich: Das Glencairn-Glas (links) sowie das Stielglas (Mitte) verjüngen sich nach hoben hin. Der Tumbler nicht.

Richtig wäre ein sogenanntes “Nosing-Glas”. Dieses Glas verjüngt sich nach oben hin und bietet somit eine kleinere Öffnung, die die Aromen optimal zur Nase leiten.

Den Tumbler kann man natürlich weiterhin für einfache Whiskys benutzen, für komplexere ist dieser jedoch nicht zu empfehlen.

Whisky on the Rocks – Whisky auf Eis

Auch das kennt man aus Serien und Filmen – aber auch aus Aufenthalten in Bars: Der gute Whisky wird in Eis ertränkt. Hier gibt es gleich zwei Probleme, die jeglichen Geschmack und feine Aromen den Garaus machen. Zum einen wird der Whisky durch das Eis stark verwässert, zum anderen so stark heruntergekühlt, dass man nichts mehr schmeckt. Im schlimmsten Fall ist der Whisky dazu nicht kühlgefiltert, was dafür sorgt, dass er unappetitlich ausflockt. Dies erkennt man an weißen Schlieren beziehungsweise Stückchen.

Deshalb gilt die Grundregel: Eis gehört nicht in den Whisky.

whiskysteine
Whiskysteine kühlen den Whisky herunter ohne ihn zu verwässern.

Wer es im Sommer minimal kühler haben will, der kann es mit Whisky-Steinen versuchen. Diese Steine sind entweder aus Speckstein oder Metall und werden kurz vorher aus dem Eisfach genommen. Sie sorgen dafür, dass der Whisky leicht heruntergekühlt wird und dabei nicht verwässert. Gerade einen starken aber meist simpleren Bourbon kann man auch kühl gut genießen.

Grundsätzlich würden wir bei guten Tropfen auch davon Abstand nehmen. Whisky trinkt man im Optimalfall in Zimmertemperatur.

Whisky mit Wasser

Es klingt im ersten Moment merkwürdig von verwässertem Whisky durch Eis zu sprechen, aber dann zu sagen, dass man dem Whisky Wasser hinzufügen soll.

Hier spielt allerdings die Menge eine entscheidende Rolle, denn einigen Whiskys tut es gut, sie mit ein paar Tropfen Wasser zu verdünnen. Das Wasser sorgt dafür, dass sich Öle im Whisky lösen und sich der Geschmack verändert beziehungsweise sich Aromen intensivieren.
Dies macht man allerdings nur bei Whiskys über einem Alkoholgehalt von 40 % und auch nur mithilfe einer Pipette oder einem Teelöffel. Es sollten lediglich ein paar Tropfen stilles, geschmacksneutrales, nicht gekühltes Wasser hinzugegeben werden. Hier kann man mit der Menge spielen und neue Geschmacksnuancen aus dem Whisky hervorbringen.

Whisky mit Wasser
Ein paar Tropfen mithilfe eines Löffels oder einer Pipette wirken in manchen Whiskys wahre Wunder und kitzeln neue Aromen heraus.

Achtung allerdings, denn nicht jeder Whisky verträgt Wasser – zu viel verwässert den Whisky und macht das Erlebnis zunichte. Je höher der Alkoholgehalt, desto wahrscheinlicher ist die deutliche Veränderung durch ein paar Tropfen. Hier gilt es auszuprobieren – Sie werden es bereits im Glas deutlich sehen können.

Den Whisky trinken

Berührt der Whisky das erste Mal die Zunge, so machen sich die ersten Aromen im Mund breit.

Der erste Schluck eines Whiskys sagt meistens wenig aus. Die Zunge hat sich noch nicht an den Alkohol gewöhnt, weshalb dieser gerade für Anfänger meist sehr scharf schmeckt. Nehmen Sie zunächst einen kleinen Schluck und lassen Sie den Whisky durch den ganzen Mundraum wandern, um sich langsam an den Alkohol zu gewöhnen.

Der zweite Schluck sollte schon mehr Aromen preis-geben. Wichtig ist, dass der Whisky alle Teile der Zungen berührt, denn die verschiedenen Geschmacksrezeptoren befinden sich auf unterschiedlichen Teilen der Zunge.

Vorne, im Bereich der Zungenspitze, nimmt der Mensch süße, mittig salzige sowie saure und im hinteren Bereich der Zunge vorrangig bittere Komponenten am besten wahr.

Auffallen sollte Ihnen auch, dass der Whisky meist süßer und angenehmer wird, je länger man ihn im Mund behält und sich dieser mit dem Speichel vermischt.

Nun können Sie anfangen, die Aromen zu sortieren und zu interpretieren. An was erinnern Sie diese Geschmacksrichtungen? Welche Textur hat der Whisky? Welche Assoziationen haben Sie?

Whisky in Verbindung mit Essen

Wer den komplexen Charakter eines Whiskys erforschen möchte, der lässt Beilagen weg. Hierdurch wird der Geschmack verfälscht. Anders als beim Wein eignet sich Käse oder Brot nicht.

Hat man einen einfachen Tropfen, den man bereits kennt und bei dem die feinen Nuancen nicht so wichtig sind, so empfehlen wir einen guten Sherry Whisky mit einem Stück dunkler, stark kakaohaltiger Schokolade zu kombinieren. Die Mischung ist super!

Whisky trinken - Aromen und Schokolade

Neutralisieren des Geschmacks

Wie bereits erwähnt, eignen sich Käse, Brot oder oder sonstige Beilagen beim Whisky-Trinken nicht. Auch nicht um den Geschmack zu neutralisieren. Um dies zu gewährleisten, wird zum Whisky ein Glas stilles und kühles Mineralwasser gereicht. Übrigens: Möchte man bei einem ausgiebigen Tasting die Nase wieder auf eine neutrale Linie bringen, so kann sich ein Glas mit frischen Kaffeebohnen zum Riechen eignen.

Unterschiedliche Whiskys hintereinander

Wer eine Verkostung plant beziehungsweise mehrere Whiskys hintereinander probieren möchte, der sollte eine bestimmte Reihenfolge einhalten. Dabei sollte man den Alkoholgehalt beachten und vom niedrigsten zum stärksten hin probieren. Des Weiteren sollte man beim Rauchgehalt aufpassen. Fängt man mit einer “Rauchbombe” an, so übertüncht dieser alle anderen Whiskys, die folgen.

Verschiedene Whiskys
Die Verkostungs-Reihenfolge unterschiedlicher Whiskys spielt eine große Rolle. Man sollte auf den Alkoholgehalt sowie den (falls vorhanden) Rauchgehalt achten, damit mildere Whiskys nicht überlagert werden.

Dem Whisky Zeit geben

Einigen Whiskys tut es gut, ihnen Zeit im Glas zu geben. Einige Tropfen können durch die Luft ihren Geschmack deutlich verändern. Oft verflüchtigt sich der Alkohol und die anderen Aromen werden weniger überdeckt.

Jüngere Whiskys brauchen dieses Prozedere eigentlich nicht – hier gilt es auch, einfach mal auszuprobieren und den Whisky 20 bis 30 Minuten vor dem Trinken stehen zu lassen.

Grundlegendes für Anfänger

Geben Sie sich viel Zeit. Die Nase und die Geschmacksknospen müssen trainiert werden, um wirklich tiefliegende Aromen zu erfahren und komplexe Whiskys zu entschlüsseln.

Lassen Sie sich Zeit beim Verkosten und stecken Sie die Nase nicht sofort zu tief ins Glas, denn besonders bei Anfängern sticht der Alkohol stark und unangenehm in der Nase. Gewöhnen Sie sich an den Whisky, der erste Schluck ist meistens sehr intensiv und brennt, dies wird im weiteren Verlauf besser.

Die einzigartigen Nuancen eines Whiskys zu erfahren, dauert und erfordert viel Training, wir versprechen aber, es wird sich lohnen.

Über den Autor
Tim Schneller
Tim Schneller

Gründer von Gentlemans-Attitude.de, dem 2019 gegründeten Männermagazin rund um Genuss, Mode, Technik und Lifestyle. Als Whisky-Enthusiast und Mitglied der Scotch Malt Whisky Society schreibt er vor allem rund um das Thema Whisky. Aber auch andere Themen wie Mode, Technik und Lifestyle sind seine Leidenschaft.

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