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Wie alt muss ein guter Whisky sein?

Wie alt muss guter Whisky sein

Für Anfänger ist es wichtig zu wissen, dass man vom Alter eines Whiskys nicht direkt auf die Qualität schließen kann, denn neben dem Alter spielen viele weitere Faktoren eine wichtige Rolle. Wie alt ein “guter” Whisky sein muss, lässt sich also nicht pauschal beantworten. Um sich Whisky nennen zu dürfen, muss er allerdings mindestens 3 Jahre im Fass gelagert werden.

Einer der wichtigsten Faktoren, der nichts mit dem Alter zu tun hat, allerdings großen Einfluss auf die Qualität des Whiskys nimmt, ist das Fass, in dem dieser reift.

Einige Fässer werden sehr oft verwendet und immer wieder zur Reifung von Whisky genutzt. Da diese “Re-Fill” Fässer über die Zyklen hinweg immer weiter auslaugen, geben sie im Verlauf weniger Aromen an das Destillat ab. Sogenannte “First-Fill” Fässer werden hingegen zum ersten Mal zur Lagerung eines Whiskys verwendet, weshalb diese Fässer entsprechend viel Aroma über die Zeit abgeben und somit qualitativ hochwertigeren Whisky hervorbringen.

Dies ist nur einer von vielen wichtigen Faktoren, die nichts mit dem Alter zu tun haben, allerdings sehr großen Einfluss auf die Qualität des Whisky nehmen.

Einen kleinen Überblick über die Punkte finden Sie hier:

  • Ausgangs-Destillat
  • Lagerung
  • Ausgangsstoffe wie Wasser, Gerste und Co.
  • Brennvorgang
  • Fass-Qualität
  • etc.

Grundsätzlich kann man allerdings sagen, dass besonders junge Whiskys (hier spricht man von drei bis neun Jahren) noch nicht lange der Subtraktiven-Reifung ausgesetzt sind. Bei der Subtraktiven-Reifung entzieht das Fass dem Destillat seine scharf-metallischen Bestandteile, die beim Geschmack negativ auffallen können. Dies ist allerdings nicht immer der Fall und auch sehr junge Whiskys können mit ihren spritzig-jugendlichen Aromen fabelhaft schmecken.

Alter von Whisky

Wieso gelten alte Whiskys als “gut”?

Aufgrund ihres Alters und dem damit verbundenen hohen Angels’ Share sind alte Whiskys besonders selten. Der Angels’ Share ist der Anteil des Whiskys, der über die Jahre der Reifung im Fass verdunstet. Dieser ist auch der Grund, weshalb man aus lange gereiften Fässern nur wenig Whisky gewinnt und dieser somit besonders teuer ist.

Neben diesem Raritäten-Status spielt natürlich auch der Geschmack eine besondere Rolle. Er muss nicht unbedingt besser sein als der eines jüngeren Whiskys, sondern meistens ist dieser einfach anders. Alte Whiskys sind aufgrund der langen Reifung sehr vom Fass geprägt und entwickeln dadurch meist komplexere Aromen.

Wieso sind junge Whiskys “gut”?

Besonders junge Whiskys haben ihren ganz eigenen Charm. Aufgrund der kürzeren Lagerzeit sind noch wenige chemische Reaktionen aufgetreten, was ihnen ein einzigartiges Geschmacksprofil gibt. Zitrusaromen sind beispielsweise klassisch für junge Whiskys und der Geschmack wirkt auf der Zunge meist spritziger als bei älteren.

Ein weiterer Vorteil jüngerer Whiskys ist der ausgeprägte Destillerie-Charakter, der bei sehr alten Whiskys verlorengehen kann.

Alte Whiskys nehmen aufgrund der langen Lagerung sehr viele Aromen aus der Fasswand auf. Dies kann allerdings dazu führen, dass der Destillerie-Charakter, also der Geschmack des Ausgangs Destillats, und die Essence jeder einzelnen Destillerie überdeckt wird. Dieses Phänomen tritt bei jüngeren Whiskys selten auf, da diese über die kurze Zeit nicht die Aromen überlagern. Der Charakter ist somit grundsätzlich ausgeprägter.

Ein weiterer interessanter Punkt sind rauchige Whiskys, denn rauchiger Whisky baut über die Zeit im Fass an Rauch ab. Um dem entgegenzuwirken und das volle Raucharoma beizubehalten, werden diese meist jünger abgefüllt.

Übrigens:

Neben den rauchigen Whiskys wird auch Bourbon oftmals relativ jung abgefüllt.

Der wichtigste Faktor, um aus einem recht jungen Whisky mit kürzerer Reifung einen guten Tropfen herzustellen, ist ein gutes Ausgangs-Destillat und ein qualitativ hochwertiges Eichenfass. Auch in 3 bis 9 Jahren kann der Whisky aus einem besonders guten Fass sehr viele Aromen aufnehmen und in Verbindung mit dem Destillat einen komplexen Charakter entwickeln.

Sollten Sie lieber zu einem alten oder jungen Whisky greifen?

Wie bereits erwähnt, ist keiner der beiden Arten “besser”. Sie haben lediglich ein unterschiedliches Geschmacksprofil. Beim Whisky gilt also nicht “je älter, desto besser”.

Wer mit Whisky anfängt, der sollte zu einem gesunden Mittelmaß greifen und sich im Bereich von 10 bis 18 Jahren erst einmal durchtesten. Sehr junge Whiskys können durch ihre Jugendlichkeit noch etwas harsch auf der Zunge wirken, was man meistens erst mit gewisser Erfahrung zu schätzen weiß.

Über den Autor
Tim Schneller
Tim Schneller

Gründer von Gentlemans-Attitude.de, dem 2019 gegründeten Männermagazin rund um Genuss, Mode, Technik und Lifestyle. Als Whisky-Enthusiast und Mitglied der Scotch Malt Whisky Society schreibt er vor allem rund um das Thema Whisky. Aber auch andere Themen wie Mode, Technik und Lifestyle sind seine Leidenschaft.

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